Poppins, Mary

Leise
mein Herz,
schlag einsamer,
damit er nicht hört wie schmerzhaft
mein Weinen ist.
Er soll mein Schluchzen nicht sehen,
mein Beben für Freude halten,
meinen Kummer für Sehnsucht.

Stiller
mein Herz,
schlag langsamer,
wenn ich die Tür hinter mir schließe –
ohne Abschied an seinem süßen Mund
dem Abgrund entgegen,
der mich auffängt
wie seine letzte Umarmung
bei Nacht.

von Poppins, Mary – das Gedicht ohne Titel erschien am 28.2.2008 im Lyrik-Forum von SPON.

Meine Handflächen weisen nach oben,
wenn du dich hinab beugst,
spüre ich deine Küsse ganz zart.

Ich hatte einen Gedanken hinten an der Straßenecke
verloren – erkennst du ihn wieder,
wenn du ihn zu Ende denkst?
Reich ihn mir zum Kusse….
Ich halte deinen Mund fest als wäre es meine Zunge,
die von deiner lebt.

An meinen Lippen findest du nicht mich.
Sie schmecken nach Salz, den Tränen der Traurigen,
der Damaligen, die ich war, in Schwarz gekleidet mit dunklem Schmerz.

Ich bin
manchmal noch
zu sehen
am Hauseingang, dort warte ich starr auf
dich.
Und spreche die Begrüßungsformel leise vor mich hin,
um nicht zu vergessen wer ich nun bin.

von Poppins, Mary – das Gedicht ohne Titel erschien am 27.3.2008 im Lyrik-Forum von SPON.

Seins-Fragen

Sind wir Geschwister im Geiste, Träumer?
Sind wir jenseits dessen, was Philosophen denken und Theologen wissen?
Sind wir vielleicht jenseitige dunkle Punkte im Weltall –
so wie irre Pupillen in den Augen des Süchtigen?
Oder sind wir nur der Traum eines immer müden Gottes?

Bist du der Klang, der sanfte Ton, in meinen Ohren
ein Rauschen,
ein Flattern meines Herzens wie das Flattern des Monitors vor
meinen Augen, der Blick in eine wortreiche Welt,
voller Bilder wie der Mythos der Ahnen unter meiner Haut sind wir realer als der Gedanke der Menschen im Bildschirm
wie einst im Radio die Stimmen im Ohr.

von Poppins, Mary – das Gedicht erschien am 17.7.2008 im Lyrik-Forum von SPON.

Steckst du, Denker, in Gedanken fest?
In Worthülsen, die wie formschöne Synapsen
in alle Richtungen deines Seins ihren Weg unbeholfen zur Sprache ebnen.

Sprich mit mir – mein stiller Zweifler.
Flüstere mir die Erkenntnisse deiner Geister zu,
ich verrate das Geheimnis deiner Hände nicht,
die ineinander verschränkt zurückbleiben
wie morsche Zweige im Wind.

Denn ich selbst bin still und stumm –
gleich der Statue im Garten vor meinem Fenster,
die du nachts manchmal ansiehst,
so wie ich dich vom Balkon aus betrachte
als wären wir alle drei vergessene Denkmäler aus einer
fremden Zeit.
Nur Stille kann uns wecken,
dein Flüstern ist mein Gebet an deinen Lippen.

von Poppins, Mary – das Gedicht ohne Titel erschien am 27.7.2008 im Lyrik-Forum von SPON.

Wieder
ein Wort,
das schwer auf mir lastet –
wäre ich zungenlos geboren, hätte ich meine Seele für dieses eine Wort freiwillig verloren. Bin es nicht. Bin immer noch liebend an Zunge und Lippen gefesselt, immer noch hier auf nackter Erder gekettet. Leise, geht sanft an mir vorbei,
es ist Nacht in meinem Herzen und sternenlos meine Seele.
Du aber, Gott, schau genau hin, schau dir die Wunden an, das Blut, das aus mir fließt, der Tod, der mich verschmäht – seit Jahren schon, schau hin und sage mir Warum ich noch denken kann, will es nicht, will nicht sein – vorher nicht, jetzt nicht, bei dir und auch ihm nicht.

von Poppins, Mary – das Gedicht ohne Titel erschien am 31.3.2009 im Lyrik-Forum von SPON.

Meinem Liebsten, ungelesen

das Glück,
ich finde es neben dir.
Wie soll ich das Gefundene
beschützen
vor dir und
vor mir?
Dunkle, tiefe Tränentrauer legt sich auf uns
– das immerwährende Laken unserer Liebe (stecks in die Waschmaschine, Kind, flüstert fleißig meine Mutter mir ins Ohr, was nur deine Lippen spüren will).

ich falte es, das Glück, wie mein Lieblingshemd
ganz sacht, lege es in die hinterste Schublade meiner Seele
– so nah
so fern von uns, das niemand danch greifen kann
– so vergessen von mir, ich finde es kaum wieder,
aber ich weiß,
es ist dort
ganz hinten verborgen,
mit angezogenen Knien mein weinendes Kind.
Ich höre es wimmern,
wenn ich leise an deinem Herzen weine.

von Poppins, Mary – das Gedicht erschien am 29.4.2009 im Lyrik-Forum von SPON.

Das, was uns Menschen ängstigt ist die banale Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“. Die Antwort darauf lautet deutlich und klar: Du bist ich.
Nichts fürchten wir so sehr wie den Verlust der Individualität, der Einzigartigkeit unseres Wesens, unserer Seele….
Aber es ist so, fast wie in einem Kinderreim:
Ich bin Du
Du bist ich
Ich bin ein Du
Du bist ein Ich.
Der Mensch ist nur als WIR denkbar – und lebbar sowieso.

von Poppins, Mary – der Text ohne Titel erschien am 4.6.2009 im Lyrik-Forum von SPON.

im Manchnmal bleibe ich stecken,
im Vielleicht ab und zu.
Die Zeit bleibt an mir kleben wie Honig an deinem Mund
(Küsse, deine süßen Küsse schmecken nach mir).
Ich kehre um,
um die Bilder abzuhängen,
an deinen Wänden bin ich nur eine Erinnerung geblieben….
Selbst meine Augen
weinen jetzt anders – als hätten sie Licht statt Tränen getrunken.
Male mich nicht bunt –
bin immer noch blass wie ein weißes, verlorenes Tuch.
(es fällt mir nicht ein wer wir gemeinsam waren;
weißt du wer ich ohne Dich bin? ab und zu, manchmal und vielleicht wachsen mir Flügel im Wind, ich falle dann nur, um anzukommen).

von Poppins, Mary – das Gedicht erschien am 8.7.2009 im Lyrik-Forum von SPON.

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1 Gedanke zu “Poppins, Mary”

  1. bunnie sagte:

    Eher trivial. So etwas gibt es haufenweise im Web.

    Gefällt mir

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