Parzival v.d. Dräuen II

Einarmige Banditen

Das Hirn ist dann die letzte Insel
einsam steht der Maat am Strand
und fern der Löwen Seegewinsel
ferner noch der Weltenbrand
nah ist es nur ein Blutgerinsel
näher noch die schlaffe Hand.

von Parzival v.d. Dräuen – das Gedicht erschien am 21.3.2009 im Lyrik-Forum von SPON.

Frauen um die 42 – II /
Ode an die Stahlin

Des Girlsdays Start im Jahre eins
oh Mädels schaut Maschinenbau
denn morgen macht ihr Ölhand-Science
so schaffen wir die neue Frau
der neue Mensch hegt weiblich Gau
in Auen ohne deins und meins

Ihr schützt mit eurer starken Hand
Kindergärten der EU-Bastion
Und jedes Unkraut reißt ihr aus
Du Tochter Genders größter Lohn
nimm diesen Strauß der Narretei
im Gleichen für das Märchenland
wie es singt und lacht zur Reichskanzlei

So schau der Gendster in den stream
nach Brüssel mainst Du dein Gesicht
Der Staat hat alle Augen zu gemacht
Nur Sozialismus sei Dir Licht

Den Schwengel nimmst Du in die Hand
so bis die Dämmrung aus den Wolken bricht
und schau nach Brüssel – ruhig schläft das Land
das Geld fließt nach: Kein Ende ist in Sicht

Wenn sich vor Freude rot die Vulven färben
Dankt man dir, Schnorrsinn, und sagt nichts als Du
Die Femin flüstert Ismus noch im Sterben
Und niemands Hand macht da den Geld-Hahn zu

Schau nicht nach Wert noch Wort noch Wahlen
erklärte Absicht ist schon halb das Ziel
mal Dir die Welt nach deinen Zahlen
und so lang der Tag da rede viel

(J.R. Becher und Erich Weinert sei’s gedankt.)

von Parzival v.d. Dräuen – das Gedicht erschien am 26.4.2009 im Lyrik-Forum von SPON.

Die Wahrheit ist heut ganz nervös
Baldrian und Sedativ
gluckern durch das Zeitgekrös
und selten war ein Reim so schief.

von Parzival v.d. Dräuen – das Gedicht ohne Titel erschien am 28.4.2009 im Lyrik-Forum von SPON.

Drecksfraß, vermaledeiter

n der Mensa fragt sich Habermas
als er mit Maß aus Blutwurst las:
Ist dies Haché nur fest geworden
oder roter Jünglingsorden?

Adorno las im Kartoffelbrei
die Welt, sie wäre niemals frei
sie würde nur und ohne solche
ein Tümpel sein für Festtagsmolche!

Und Lukács nascht am Blumenkohl
wenn’s wenig gibt, ist ihm erst wohl
man müsse zu verteilen wissen
Reichtum ist ein Tadelkissen.

Zum Nachtisch gab es noch Komputt
Frau Bürger schert sich einen Dutt
wirft die Reste vom Geschirr und
im Kübel bleibt nur Schmeissgewirr.

von Parzival v.d. Dräuen – das Gedicht erschien am 22.5.2009 im Lyrik-Forum von SPON.

Frauen um die 42 – III

es wallt die letzte brunft
durch den faltgen leib
und mit ebensolcher zunft
tüncht sie sich zum weib

etwas creme, kosmetika
rouge und karejal
ohne die ästhetika
trant sich fett der wal

leichenfleisch in ton gegossen
die lebensschale ist nur leck
wo ehmals niedlich sommersprossen
prallt grell gedörrter räucherspeck

dann noch eine zeit-annonce
such den herren mit niveau
klar, barmt text die letzte chance
sehnt sich als die veuve clicquot

von Parzival v.d. Dräuen – das Gedicht erschien am 6.6.2009 im Lyrik-Forum von SPON.

Meinem Sohn

bengel, du wärst mir fast am leben erstickt
bester sohn, den ich so oder so verehre
auch mutter wäre fast auf dem tische weggenickt
und ich hatte angst vor der wiesenleere

bester sohn, damals vorm op (sags nicht weiter)
habe ich das waschbecken zertreten
und ich war so furchtsam, dass ich dich nie seh
und dann war ich roher kerl am beten.

die nächte hast du auf meinem brustkorb geschlafen
und jeden tag habe ich dich mit liebe eingedeckt
jene zeit in der sich die ewigkeiten trafen wo
jeder leise ruf die atemlosen geister wieder weckt

von Parzival v.d. Dräuen – das Gedicht erschien am 13.10.2009 im Lyrik-Forum von SPON.

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