Parzival v. d. Dräuen I

Wer die Lyra nicht schlagen kann
der sollte hier nicht schreiben
Kirchenacht und Reiches Bann
über fahles eitles Treiben

Nun singe hier du helle Macht
zeig der Worte Widerpracht
zeih dem Denken manche Nacht
doch löse dich vom Unbedacht

Schwätzt und schwelgt im Überall
lamentiert und greinet süfflich gern
schwätzet wie ein Wasserfall
erlischt doch nicht der Worte Stern

Wenn ihr hier nichts zu schreiben scheint
was nutzen eure Worte ohne Reim
die Sprache habt ihr längst entbeint
spuckt zwar nicht, doch trieft der Seim

von „Parzival v. d. Dräuen“ – das Gedicht ohne Titel erschien am 10.3.2007 im Lyrik-Forum von SPON.

Und es bleibt

Ulli spannte den Hebel seiner Waffe
und zielte versonnen auf Aldebaran
manch ein Stern verstecke sich
hinter den Nebeln, hinter den Nebeln

Lars war besorgt, sein Geld war noch nicht da
daraufhin putzte er nervös den großen Wagen
würgte den Lappen, der einst ganz stolz
Hemd aus blauer Wolle war, aus Wolle war

Die jUlIa, das verrückte Häufchen Mensch
bestellte die zweite Pizza bei Giovanni
prego, es schmeckt hier bene so gut
verseufzte sie behaglich allen Frühlings-Sonnen nah

Rosis Tante reckte den Hals, den Falten-Hals
im Spiegel schien ihr nackter Hintern doch
noch fetter als November-Bär und im
Kühlschrank lauerte listig glucksend der Rahm

An allen ritt der Tod vorbei
obwohl er gerne wollte und
nur Julia nahm er mit

von „Parzival v. d. Dräuen“ – das Gedicht erschien am 15.5.2007 im Lyrik-Forum von SPON.

Pedrolino

Letzt fehlt hier einer von den Granden
ein edler Wilder, der sich selbst bezwang
des Worts beraubt in Staub und Schanden
am Stab zerbrochen, den man hilflos brach
und seinem Schicksal gab er ratlos nach
Phobos ist ein grinsend Bote, Deimos ist ein Mittenmang.

Es halten die welken Hände alter Götter
ein Weltgericht, und in so all den Tempeln
kann kein nackter reuend Mensch im Staub
der Gefrässigkeit, dem Blutdurst noch entgehen.
Ein Seil, ein Stuhl, verbitterte Entschlossenheit
ein Tag, ein Nun, und spürbar bleibt die Einsamkeit

als auch ein Ruch im Raum so kalt zurück
Und Glück? Wer kann es da noch wünschen?

von „Parzival v. d. Dräuen“ – das Gedicht erschien am 25.5.2007 im Lyrik-Forum von SPON.

Nicht für Niobe

Das Tischtuch ist zerschnitten,
ich schlachte auch die Richter
die Welt ist euch entglitten
und ich ich richte dichter.

Der Staat sieht sich im irgendwo
und will nicht mehr Apollon sein
Versagen macht den Menschen roh

Schnitter, ich borg dir gern den ersten Stein

Ich borge ihm der Bürger Krieg
und alles was er sonst noch braucht
zu allem wo ich sonst noch schwieg
verneig ich mich und sag: Durchlaucht.

Das Übelmaß wird uns verbinden
Blut ist rot nicht dicker Schleim
und Justitia dieser Blinden:
wünsch ich den Tod im Altenheim.

von „Parzival v. d. Dräuen“ – das Gedicht erschien am 15.7.2007 im Lyrik-Forum von SPON.

Auf die Sollseite schreiben,
Buchhalter Meyer stirbt.
Er wendet noch die Blattholzscheiben,
und hört, dass eine Grille zirpt.

Meyer murmelt:

Oje, ich hab den Tod geschaut
der Tod sieht aus wie ich
er lässt mir jede billig Maut
ich wachse bald ins Licht.

Dann leb ich wohl zum bittren End
der Krebs, der beißt in meinem Leib.
Ich sag es euch ganz frei heraus
bloß
wie sag ichs meinem Weib?

So lacht ein letztes mal mit mir
Am Galgen hängt ein stetig Tropf
darunter ziehts den Narr zur Tür
das letzte Wort, es bleibt im Kopf.

Davor ja nun was sagt man da?
leb wohl klingt törend abgeschmackt
aus scheidet auch die Algebra
vielleicht
begrabt mich bloss nicht nackt!

von „Parzival v. d. Dräuen“ – das Gedicht erschien am 27.10.2007 im Lyrik-Forum von SPON.

Hauptneid

Mein lieber Stefan, bester Aust
ich werde Dich vermissen
die linke Hand ballt rechte Faust
lass dich zum Abschied küssen

Schreib uns noch ein letztes Wort
und sieh dem Fischer alles nach
häng die Schlüssel leis ans Bord
wie Werfel trauert Alma nach

Es war exakt Dein Agenda-Setting
eine wortreich orgelnd Maß-Zäsur
fast so, wie erstes Worte-Petting
sei stolz darauf, Du bleibst ein Bur

Bei allem harschen Widerstand
bist a mensch und Würde
wir sehn uns unterm Pflasterstrand
bleibst der Großen Hürde.

von „Parzival v. d. Dräuen“ – das Gedicht erschien am 19.11.2007 im Lyrik-Forum von SPON.

Es wird mir alle Tage schlimmer, Herr Nietzsche!

Es ist
die grenzenlose
Boshaftigkeit
des Schicksals,
in der sich
die Frage
nach Gott
erübrigt

von „Parzival v. d. Dräuen“ – das Gedicht erschien am 25.11.2007 im Lyrik-Forum von SPON.

Kimba

Meine Welt, die liegt in Scherben
der Kessel pfeift auf letztem Loch
Unglück kennt mir alle Verben
ein neues Tuwort fehlt mir noch

Das bloße Sein ist mir ein Splittern
jeder Sinn ein schmerzend Tränen
adjektiv ein Maulverbittern
der Teufel reisst mit gelben Zähnen

Halte durch, Kimba!

Es fegt die Wucht ganz kolossal
das freie Singen aus der Wohn
Edel schmiedet Anteil Stahl
und auch Mitleid bleibt nur Hohn

Besen, Bösen, sei
ein Nomen gewesen
dann nimm vom Kuchen
in reichlicher Hatz
und wenn du nicht satt wirst
den Mensch zu lesen
dann schweige so laut
im letzten Satz.

von „Parzival v. d. Dräuen“ – das Gedicht erschien am 2.12.2007 im Lyrik-Forum von SPON.

Forlorn

Dieses Jahr ist finaly forlorn
verschwendet in eitlem Glanz
and I tried to start von vorn
always hold the navel over the Schwanz

Nearly jeden Tag kam Reagenshower
more scuzzy as the lausig weather
Ike smolt mir wie ein Eisenhauer
die butter fiel vom awesome Messer

Eridicate all kinds of / completely else
und fiel ich auf mich selbst zurück
and faster als a man insanity spells
rief Faust Mephisto out of hell ins Glück

Weisst Du, Du Übermensch, du only one
den Menschen sorgsam zu beschützen
bin nur ich der, der Nitverstan
who should es denn auch nützen.

But eins, exakt foresighted know
next Year wird abgerechnet werden
you may say a dreamer have to go
Prove that black is weiss auf Erden.

Sitz ol´ and watch the flowers.

von „Parzival v. d. Dräuen“ – das Gedicht erschien am 26.12.2007 im Lyrik-Forum von SPON.

aus

negermusik ausgemacht
noch mal in den schritt gefasst
hinterhergetanzt

buch weg alte schwarte
die terrasse mit wasser genetzt
und haare ausgerissen

kleine tiere beobachtet
alle feine Käfer
ameisen sind die uhlen

hochlaub durch das haar gestriegelt
schlamm im keller beleuchtet
glänzt so fein

dann eine alte stahltür geöffnet
die kerze fiel um
verdunklung fast

das muss sich
doch einer
ausgedacht haben

von „Parzival v. d. Dräuen“ – das Gedicht erschien am 9.8.2008 im Lyrik-Forum von SPON.

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2 Gedanken zu “Parzival v. d. Dräuen I”

  1. RPedersen sagte:

    Naja, aber lesenswert, wenn auch leicht leichtfüßig !

    Gefällt mir

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