Jörn Bünning V

Der Mensch denkt, er denkt

Der Mensch erdenkt sich stets allein
Er denkt sich als ein eignes Sein
Dabei hat ihn ein Sein erdacht
Nun lässt es ihm den Traum der Macht.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 21.12.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Weihnachtsmarkt

Nun ist es wieder still geworden
Man hört kein Lachen, kein Geschrei
Verflogen ist der Klang der Horden
Die Menschen hasten stumm vorbei

Das Karussell ging zeitig schlafen
Ein Riesenrädlein folgte bald
Und die sich in den Gondeln trafen
warn für die Kindheit schon zu alt

Vor Buden ziehen Bretterwände
Ein Sensor schaltet Sterne aus
Und Zelte hüten Würstchenstände
Die Dunkelheit spült uns ins Haus.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 16.12.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Zuversicht

Des Sinnens satt und überdrüssig
Halt ich’s gern platt und lieber flüssig
Und wo sich mir ein Sinn verschließt
Auch niemand seinen Geist vergießt.

Stattdessen reim ich mein Gedicht
mit grenzenloser Zuversicht:
Der Sinn entsteht von ganz allein
Du brauchst nicht selbst dabei zu sein.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 12.12.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Im Turm

In meinem Turm aus Elfenbein
da leb ich gern, da leb ich fein
ich kann von oben runter schauen
und brauche niemandem zu trauen.

Es ist die Sicht auf große Dinge
die ich von hier zustande bringe
denn vieles zeigt sich uns erst ganz
in einem Blick aus der Distanz.

Da ich auch für die Ruhe schwärm
brauch ich ein Leben fern vom Lärm
und fühle ich mich mal allein
dann komm ich runter, werd‘ gemein.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 14.12.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Ein ferner Klang

Ein ferner Klang zieht durch die Lieder
Wie Duft aus der Erinnerung
Erschrecken fährt tief in die Glieder
Und färbt das Leben plötzlich jung

Als ein Erwachen aus dem Traume
Von Lebensjahren aufgebracht
Entfaltet sich die Zeit im Raume
Wie das Versprechen einer Nacht

Das viele Licht kaum zu ertragen
Die Tür geöffnet einen Spalt
Längst offen wieder alle Fragen
Nicht klüger werden wir, doch alt.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 6.12.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Es lebe der Vergleich

Fragte Prosa in die Runde:
„Wer von Euch, ihr Höllenhunde,
ist so rough, sich zu bequemen,
es mit Lyrik aufzunehmen?“

Da verbreitete sich Schweigen:
Keiner wollt‘ den anderen zeigen,
dass, ganz gleich wie rough and tough er
Lyrik jedoch much metapher.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 29.11.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Im Liebesgarten

Wie lange hegten wir den Liebesgarten
Den uns ein herzensguter Geist vermacht.
Wir haben uns vergnügt an tausend Arten
Und niemals an die lange Nacht gedacht.

Und Hoffnung ausgesät in langen Reihen
Die Zuversicht an kühlen Ort gesetzt.
Gelassenheiten sollten uns gedeihen
Und blühn, wo sie vom Licht benetzt.

Vor kalter Angst beschützten hohe Hecken
Das wilde Gras des Zweifels hielt man kurz.
Die Illusionen luden zum Verstecken
Und kühles Moos bot Träumen sanften Sturz.

Wir kümmerten uns nicht um Zukunftsfragen
Ein Glücksterrain begrenzte uns den Blick.
Daraus entwuchs dann auch geheimes Tragen
Und das bescherte jedem eigenes Geschick.

Verwaist liegt nun das kostbare Gelände
Vorbei ist’s mit der bunten Blütenpracht.
Realität erzwang die letzte Schicksalswende
Und führte rasch die lange Nacht zur Macht.

Die Dunkelheit vertrieb die Sonnengäste
Die man im Leben kaum mehr wieder find.
Nur mit dem allerletzten kalten Reste
Verrascheln tote Blätter noch im Wind.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 28.11.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Der Sarg bleibt zu!

Erstmals wurd der Dichter krank:
danach starb er, gottseidank!
Ringsum freudiges Gekicher:
Endlich vor dem Versmaß sicher!

Sarg wie Rede: kurz und knapp;
ausgehoben flink ein Grab,
dass die Leiche keiner raubt:
Deckel gründlich zugeschraubt!

Bunt blüht nun die Poesie,
Formen wuchern wie noch nie.
Fröhlich singt der Lyrikhain:
Bin Poet! Nun kann ich’s sein!

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 22.11.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Im harten Kern

Lass mich deine Liebe schlabbern
dich mit Leidenschaft besabbern
heiß an deinen Lippen buhlen
mich in deinen Kuhlen suhlen

Möchte dir die Knüsen zispeln
und an deinen Brunzen drispeln
auch mit deinen Gibben nockeln
und auf deinen Wülsten gockeln

Sollen uns die Kämme schwellen
bis wir in einander prellen
uns am heißen Saft verschlucken
und in Leidenschaft verzucken.

Auf die Schwüle der Gefühle
folgt die Sehnsucht nach der Kühle
Unser Leben wird verinnen
Zeit wird’s nun ihm nachzusinnen.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 20.11.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Radschläge

Sei ein Narr in dieser Welt!
Narren lockt man nicht mit Geld
Narren brauchen Illusionen
Königlich darin zu wohnen.

Sieh nicht Dinge wie sie sind!
Brauch die Augen als ein Kind
Das verspielt im Sande scharrt
Und sich in den Dreck vernarrt.

Streb nie nach dem Glücklichsein!
Denn das Glück kommt nie allein.
Vielmehr wird es Dich erheitern
Wenn Du Übung hast im Scheitern.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 18.11.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

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