Jörn Bünning IV

Wunder

Das Leben ist nur eine Pflicht,
Die Freiheit bringt der Tod,
Wir kennen unser Ende nicht,
Vertraut ist uns die Not.

Geschöpfe der Unmöglichkeit,
Im Sterben sind wir alle gleich,
Beschränkt ist uns’re Lebenszeit,
Nur das macht uns unendlich reich!

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 6.5.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Der Ring, der nie gelungen

Mühsam wird der Pfad der Tugend,
schwindet früh die holde Jugend.
Scheint die Welt nicht mehr begehrlich,
fällt der Weg hindurch beschwerlich.

Einzig nur ein Gelbmetall
treibt noch Pilger nach Walhall.
Angefüllt von jenem Streben
scheint es Einige zu geben:

Wo der Mensch zum Golde drängt,
wird es rundherum beengt.

Wichtig, dass in solcher Herde
Jedermann zum Schäfchen werde.
Daher sorgen fromme Hirten,
Menschenseelen zu bewirten.

Aufgeschreckt warnt Wellengunde:
„Nimm dir nicht das gülden Runde!
Sich zum Ring der Hirten richten,
heißt, auf Liebe zu verzichten.“

Gab es doch auch frommen Rat
für den Mensch besond’rer Art:
„Wo der Ring den Finger ziert,
Ist die Liebe garantiert.“

Selbst noch als die Hirten
aus der Herde sich verirrten.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 15.10.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Ausgebrannt

Nein, die Alten sind nicht nette
dicht vor der Endlagerstätte!
Haben auch nichts mehr zu lachen,
weil die sysops ständig wachen,
dass sie nicht die Nasen strecken
aus dem Alten-Abklingbecken.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 18.10.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Genius loci

Wenn sich der Geist im Sande schichtet,
der Vater auf dem Spielplatz dichtet.
Er reimt zusammen, was er kann,
nicht kümmernd sich um Sohnemann,
nachdem der mit dem Rad getaumelt,
nun munter in der Hecke baumelt.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 21.10.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Das Spiel

Ich sag’s den Dichtern ins Gesicht:
Ihr findet eure Sprache nicht!
Und hättet ihr sie doch gefunden,
dann gäbe es hier auch mehr Kunden.

Wenn jeder bastelt vor sich hin,
dann schöpft er daraus wenig Sinn.
Denn: seine Sprache zu erfinden,
heißt: sich mit andern zu verbinden.

Ob „alt“, ob „neu“? – welch dummes Spiel,
modern zu sein ist noch kein Ziel!
Nur Flüchtigkeit scheint obligat,
man sieht es gleich am Wortsalat.

Wer uns’re Sprache wirklich liebt,
der seine Worte gründlich siebt:
Nur wer Gedanken bringt ins Reine,
stellt auch Ideen auf die Beine.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 23.10.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Spurlos

Nicht eine Spur
vom Idioten.
Man hörte nur,
er sucht die Toten.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 30.10.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

noch’n Liebesgedicht

Ist es denn wahr, dass es dich gibt?
Ich war noch niemals so verliebt
und werde es wohl nie mehr sein,
lässt du mich irgendwann allein.

In alter Furcht blick ich zurück
und traue nicht dem neuen Glück:
So sonderbar fiel es mich an,
dass ich es noch nicht fassen kann.

Und weiß nicht mal, ob’s Liebe ist,
wenn das Verlangen sich vergisst,
bald staunend, bald vor Freude weint,
weil hier zwei Seelen sich vereint.

Dass es dich gibt! Du lebst! Du bist –
der Lebenssinn, der wirklich ist.
Du gibst mir Glauben, Hoffnung, Ziel
Sag bitte nicht, das wär zuviel!

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 1.11.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Blumenkinder

Deine Schönheit macht mich weinen
Blüten blätternd fragt mein Sinn
Gibt es doch den Gott, den einen?
Wofür gab er sich uns hin?

Zeit wird uns nicht viel gegeben
Wir entfliehn im Schicksalslauf
Nur geliehn dem einen Leben
Doch die Liebe hört nie auf.

So wirst du einst wieder leben
Ungeborn kehrst du zurück
Alte Fragen wird es geben
Und vielleicht ein neues Glück.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 2.11.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Das eigentliche Schwein

Und irgendwann ist Schluss mit lustig,
denn dann wird dir der Spaß zuviel:
Dann nervt nur noch der ganze Stuss dich,
und du durchschaust das schlimme Spiel.

Dann leiht dir Ekel seine Kräfte,
der Selbsthass brennt sein Eisen ein,
und du erbrichst Verdauungssäfte,
denn du erkennst das wahre Schwein.

Zwar zeigt der Mensch die Menschenfratze
hier nicht: Er hat sie doch dabei!
Im Dunkeln hört man sein Geschmatze,
im Trüben fühlt er sich ganz frei.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 22.1.2014 im Lyrik-Forum von SPON.

Lebenslos

Wer dir das Leben schenkt aus Freud und vielfach Leid?
So klingt dir Antwort nicht aus einem warmen Munde,
noch aus dem Weltengrunde, zur gegebnen Zeit.

Und fragst du auch, nach langem, hoffnungsbangen Zaudern:
Wozu dein Leben taugt und aller Tand der Welt?
Ertönt kein Hohn, noch hüllt dich jenes fremde Schaudern,
das dir als Zeichen galt für den, der Alles hält.

Denn nichts aus eines Himmels Plan wurd dir gegeben!
Und Nichts, das deinem Sturze letzten Halt gewährt.
Kein Schicksal führt auf festem Boden dir das Leben
zu jenem Ort, nach dem die Sehnsucht dich verzehrt.

Entbunden in die Welt schenkt dir kein Fluch sein Zeichen,
kein stolzer Zweifel stillt sich an Verlorenheit.
Und wird dir auch der Schmerz noch lange Tage reichen,
so liegt dein Ende, leise wartend, längst bereit.[/QUOTE]

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 20.1.2014 im Lyrik-Forum von SPON.

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4 Gedanken zu “Jörn Bünning IV”

  1. Alfred Mertens sagte:

    Von Wem ist das Gedicht? Jörn Bünning, oder James Bond
    Oder ist James Bond ein Psydonym?

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    • Sehr geehrter Herr Mertens,

      Ihre Frage kann ich nur so beantworten, dass es wohl Jörn Bünning ist, oder auch nicht – andere Daten stehen mir nicht zur Verfügung. Ich übernehme alle Gedicht-Texte und die Angaben über den jeweiligen Autor unverändert aus dem SPIEGEL-Online-Forum. Es handelt sich meistens um Nicknamen, darauf habe ich hingewiesen. Für einen Klarnamen müssten Sie sich schon an die Redaktion wenden.

      Gruß Deeplooker

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  2. Ehrlich gesagt ist mir egal, wer diese Herz-Schmerz-Reime meinte veröffentlichen zu müssen.

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