Jörn Bünning I

Ode an den Feudel

Feudel, schnöder Spöttertunken
Schlachter des Linoleum,
Hier erbeten, fast erstunken,
Schimmlische die Reinigung.

Deine Zuber feuchten Mieder,
Die dem Moder noch enteilt,
Schwache Menschen werden Krieger,
Wo dein strenger Odem weilt.

Wer dich einmal ausgewrungen,
Weiß genau, was Sache ist,
Dazu wurd das Weib gedungen,
Dass ihm schwant die Liebeslist.

Glücklich jener, dessen Perle
Feudelt für ihn Stund um Stund,
Nur der dümmste aller Kerle
Schrubbt doch seinen eignen Grund.

Feudelnd winken jene Wesen
Ab den Brüsten mit Figur,
Männer werden nie genesen
Von Gelüsten der Statur.

Feudeln als die Antriebsfeder
für das Urwerk der Natur,
Treibt den Menschen ohne Räder,
Bahnt den Keimen eine Spur.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 30.9.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Die Qual der Wahl

Zwar scheint die Kunst uns ein Bedürfnis,
doch gibt sie Grund oft zum Zerwürfnis.
Im Stillen denkt sich jedermann:
Kultur ist, wenn man’s schmecken kann!

Und von den Werken der Moderne
erholt man sich am Stand sehr gerne,
denn Schluss ist da mit neuen Sitten:
Man ordert Currywurst mit Fritten.

Erstaunlich leicht nun hier entsteht
aus Unkultur Identität:
Ein Volk – ein Land! Die Currywurst
vereint zum großen Tatendurst!

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 26.9.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Mobilmachung

Seid auf der Hut!
Treueworte warten
auf den Lippen stolzer Feinde
Abgrundgähnen
wo wir Brücken wähnen.

Macht euch nur Mut!
Neue Todesarten
aus Registern der Gemeinde
Unglückssträhnen
keltern Schicksalstränen.

Zeit wird zu Glut!
Opferung der Zarten
an den Hoffnungsklippen, zeih’nde
Lebensszenen
derer wir uns schämen.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 18.9.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Zwillinge

Pandora hat in tiefer Nacht
Ein Zwillingspaar zur Welt gebracht:
Die Liebe, um uns zu beglücken,
Das Leid, sie damit zu erdrücken.

Die Liebe scheint ein schwächlich Ding,
Das niemand durch die Jahre bring.
Das Leid hingegen, stets auf Lauer,
Wird gern ein Gast für lange Dauer.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 10.9.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

A Streetcar Named Desire

Erfüllung blüht an Endstationen
der Straßenbahn im Kreisverkehr;
die Hoffnung spendet Notrationen,
das Warten macht die Lider schwer.

Sehnsucht zerrt an frühen Düften,
Wehmut hungert ihnen nach
und ein Moderhauch aus Grüften
führt ins letzte Schlafgemach.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 7.9.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Neue Zeiten

Es treibt die Angst des Lebens
Zum Heil der Neuen Zeit
Vernunft warnt stets vergebens
Das Unheil liegt bereit.

Es führt ein blinder Glaube
Die Hilflosen zur Wut
Zum Frieden singen Taube
Die Besen kehren gut.

Die Reihen werden lichter
Man merzt das Böse aus
Still protestieren Dichter
Der Rest will schnell nachhaus.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 5.9.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Warten

Wo ist sie hin, die Zeit der Blüten,
ihr Duft, der mich so sanft geführt?
Längst sollte ich schon Früchte hüten,
bevor der Winter mich einfriert.

Wo ist er hin, der Geist der Zeiten,
der durch Äonen zu uns drang?
Er wollte mir die Seele weiten,
nun lieg‘ ich hier, allein und bang.

Wo ist er hin, der Witz des Lebens,
der vom Sterben uns erlöst?
Ich lauschte nächtelang vergebens
und habe bloß die Zeit verdöst.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 6.9.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Reiseziele

Siehst Du das Leben nur als Spiel
Dann ist Dein Weg wohl auch das Ziel
Doch trägt Dein Leben einen Sinn
Dann strebt Dein Weg wohl auch dorthin.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 31.8.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Apfeltraum

Golden klingt die alte Weise
wie von fernem Mund gesummt
Bienen träumen auf der Reise
bis der Tag so sanft verstummt.

Kühle haucht im Dunst der Wiesen
Waldessaumes Abschiedskuss
Stille taucht die dunklen Riesen
in die Nacht zum blauen Fluss.

Könnte ich dort immer bleiben
wo mein Herz begraben ward
würde ich doch nimmer leiden
als der letzte meiner Art.

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 13.8.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Auf Watte gesetzt

Ein Hummelchen im Blütenrausch
verirrte sich zum Wattebausch
und turnte emsig, aber stumm
so eine Weile drauf herum.

Weich wie Watte, nur gemein:
Stummelchen drang nirgends ein.
Da empfiehlt sich’s mit Manieren
seine Absicht zu verzieren,
öffnet sich der Liebe Pforte
oft durch ein paar nette Worte:

„Sie sollten sich nicht so genieren,
wenn wir a bisserl kopulieren!“

Die Watte, zart errötend zwar,
(was man nicht sah, weil sie’s schon war)
nur wenig Zeit zur Antwort brauchte
(die leise war, weil sie bloß hauchte):

„Bestimmt war’s mir, anstatt zu wählen,
mich nur mit Schminke zu vermählen.
Ihr Wunsch dünkt mich schon recht apart –
mir scheint, Sie steh’n auf Surrogat!“

von Jörn Bünning – das Gedicht erschien am 14.8.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

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