gantern I

Gedichtete Wahrheit

Schwarze Tinte auf weißem Papier
Dichter hat Lebenslügen in seinem Visier

Es gilt; nehmen wir an
es sei wie es scheint
Oder anders herum
wie es scheint, so sei es

Das naht schon an Wahrheit
was bleibt uns denn sonst
Besser als nichts
– bereit sein
Lügen zur Wahrheit biegen
– gescheit sein

Hier dreht man einfach die Leier
Fleddert sich durch als Wortegeier

von gantern – das Gedicht erschien am 21.9.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Regenerieren

Ich gehe mal raus
innere Ruhe finden
Raus aus dem Haus
mit Natur verbinden

Fliegenden Atem dämpfen
Nervenbündel ruhigstellen
Uneinsichtigkeit bekämpfen
alles in Ruhe mal überdenken

Und während ich schreite
bricht in mir das Eis
Lustvoll spür ich es krachen
kann über mich selber lachen

von gantern – das Gedicht erschien am 26.8.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Gedanken am Morgen
(korrigierte Fassung)

Ins Bewusstsein geronnene Erfahrungen
zu Gewissheiten verklumpt
– es gibt auch dieses andere –
Diese Banalität zwingst du mir auf?
versuchst es, aufzuzwingen!

Ist dies dein Schlüssel zu jenem Tor
hinter dem aus Fragen Antworten werden?
– willst du es wirklich wissen –
Hast du den Mut zum Fragen-wagen
nach Sinn von Leid und Schmerz
– Leben und Sterben –
Keine glatten, matten Phrasen
denen Ecken und Kanten fehlen

von gantern – das Gedicht erschien am 13.8.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Die verdammten Interpreten

Orakel ist so herrlich vage
mein Risiko, wenn ich es frage

Die Schönen in Delphi wählten schon
für jeden Frager den gehörigen Ton

Und diesen Tradition weiter frönen
Dichter, die mit Reimen verwöhnen

Schlimm aber sind die Besprecher
die an der Kunst Verbrecher
Die brühwarmen Texte-Deuter
der schönsten Gedichte Ausbeuter

Zum Teufel mit diesen Neunmalklugen
die hinter jedes Orakel lugen

von gantern – das Gedicht erschien am 8.8.2013 im Lyrik-Forum von SPON. Ich habe in diesem Gedicht einen Rechtschreibfehler korrigiert.

Evolution

Im Chaos leben
an Logik weben
Vollendung erstreben
diese Wege zum Nichts

Ideale verraten
die den Menschen entarten

Denn denkende Menschen
lassen sich nicht beschränken
beim Rätseln über sich selbst

Seele, du überflüssiger Wurm
halte dich raus aus unserem Tun
hattest im Paradies noch deinen Zweck
jetzt bist du blind im Geistes-Labyrinth

Wo ist die Macht, die dich entwarf
wozu warst du nütze
damals, dem Ur-Ur-Ahn

von gantern – das Gedicht erschien am 25.7.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Keine Erfüllung im Idealen

Endlich Ordnung schaffen
das mit dem Träumen lassen

Klarheit in mein Leben bringen
nicht mit Unmöglichkeiten ringen

Wenn ja, auf welche Weise
in sauberer Ordnung zum Greise?

Nein, verflucht, und abermals nein
das mit dem Aufräumen lasse ich sein

Lieber abwarten im Delirium
schwimmend im Aquarium

von gantern – das Gedicht erschien am 23.7.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Bewegung soll gesund sein

Bleiern schwer spür ich die Beine
eine Freude ist das keine
doch ich nehm´ mich an die Leine
Exerzitien für das Reine

Muskeln bewegen im Zockeltrab
Rhythmus setzt die Schmerzen matt
Ängste und Sorgen rennen sich platt
rackre mich für eine Fata Morgana ab

Wie komm ich nur darauf
das Leben sei ein Dauerlauf
um ´nen möglichst flachen Bauch

Bänder dehnen, Knochen knacken
wundgeriebene Sporenhacken
und so gar nichts da zum Lachen

von gantern – das Gedicht erschien am 8.7.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Zeichen setzen

Eine Marotte
oder schriftstellerische Raffinesse

An den Zeilenenden des Gedichts
ein regelwidriges Nichts

Warum diese Provokation
– für einen besseren Ton

Ein Klang, ein Sinn der still nachklingt
der ohne Grenze weiterschwingt

von gantern – das Gedicht erschien am 31.5.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Endzeitstimmung

Wir fürchten uns vor dem Monströsen
doch wenn es kommt
ist es banal

Mit vorauseilendem Schrecken
denken wir ans Verrecken
doch wenn es kommt
ist es lapidar

von gantern – das Gedicht erschien am 11.4.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Ironie oder Persiflage

Gebrauchs“lyrik“
Haus“musik“

wie – weshalb –warum
Wer gebraucht hier was
Argument einfach zu schwach

Kriterium Reim
alte Schule beim Alten Wein

Poetische Wortkomposition
und über allem die gönnerhafte Drohne

banale sätze in zeilen zerhacken
und sich dabei lyrisch fühlen
ja! das ist eine freude
in diesem unrat zu wühlen

von gantern – das Gedicht erschien am 7.10.2013 im Lyrik-Forum von SPON.

Hurra, wir sind wieder da

Reichtum für alle
Am Hindukusch verteidigen
ja, wo denn sonst?

Bereit sein ist alles
Soldaten für die Front
ja, wozu sind sie da?

Einpeitscher, Einstimmer
kriechen aus Hinterzimmern
Das Volk schaut verdutzt
– ist es mal wieder so weit?
macht man uns wieder bereit?

von gantern – das Gedicht erschien am 2.2.2014 im Lyrik-Forum von SPON.

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2 Gedanken zu “gantern I”

  1. Ja, ja, die Welt ist schlecht …

    Gefällt mir

  2. John sagte:

    Alles Schwachsinn, sorry

    Gefällt mir

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