Nein, noch immer ist nicht Schluss mit 9/11, ich bin noch auf dem Trip. Wenn Ihnen das nicht gefallen sollte, dann können Sie den Sermon ja wegklicken, das raubt mir nicht den Schlaf. Aha, Sie lesen weiter… darauf habe ich natürlich spekuliert, nicht grundlos, denn die Natur hat den Menschen, was oft als störend empfunden wird, auch mit einer Art von interesseloser Neugier ausgestattet, und dieser Umstand gibt mir nun die Gelegenheit, Ihnen mitzuteilen, dass ich einen Brief geschrieben habe, in Form einer E-Mail. Der Empfänger ist ein ebenso seriöser wie erfahrener Journalist, seinen Namen behalte ich aber für mich, denn es würde sich nicht gehören, ihn ohne Erlaubnis zu nennen. Als ich den Brief zur Kontrolle noch einmal überflog, da fiel mir ein, dass ich sowieso einen kleinen Text zu dem dort angesprochenen Thema schreiben wollte und dass ich stattdessen einfach den Brief verwenden könnte – hier ist er also:

Sehr geehrter geehrter Herr …,

Sie gehörigen zu den wenigen wirklich investigativen Journalisten in Deutschland, dafür meine Anerkennung. An der Wahrheit über 9/11 gibt es auch für mich nichts mehr herumzudeuten, die Analyse ist weitgehend abgeschlossen, es war zweifellos ein Inside-Job. Als Folge der Entlarvung bleibt den Anhängern der offiziellen Version und damit auch den Mainstream-Medien nur noch der Ausweg, die Zeit für sich arbeiten zu lassen – weil ihre Argumente nicht nur entkräftet sind, sondern weil sie sich als so konstruiert erweisen, dass bereits die gebetsmühlenhafte Wiederholung kontraproduktiv wirkt. Dieses Dauerdilemma macht es notwendig, jede Form der öffentlichen Diskussion über die Ursachen von 9/11 unbedingt zu unterdrücken.

Es geht mir eigentlich um die Anschläge vom 11. September 2001, ihnen gilt mein Hauptinteresse, und im Zusammenhang damit bin auf Ihre Person gestoßen – ich schreibe bewusst „eigentlich“, denn je mehr Bücher ich dazu gelesen hatte, je länger und ausführlicher ich mich im Internet über 9/11 informierte, desto mehr schoben sich zusätzlich andere Gesichtspunkte ins Blickfeld, die mich anfangs überraschten. Auf einen dieser Gesichtspunkte will ich näher eingehen:

Sobald in den Medien 9/11 zur Sprache kommt, wird sofort die Verschwörungskeule geschwungen, das gleicht schon fast einer kollektiven Zwangsneurose. Mich ärgert, dass es dem Mainstream dabei zu leicht gemacht wird, doch weshalb? Weil die engagierten Betreiber des Aufdeckens, oder sagen wir mal die „Truther“, oft semiprofessionelle Verschwörungsspezialisten sind, so wie es zum Beispiel auch bei Ihnen in gewissem Maße der Fall zu sein scheint. Es geht mir hier aber wohlgemerkt nicht darum, Vorwürfe an Sie zu richten, sondern es geht mir nur darum, auf eine Schwäche hinzuweisen: auf die weiche Flanke, die man auf diese Weise den Gegnern darbietet.

Man muss nicht jeden Verschwörungstopf mit auslecken. Im Internet gewinne ich zunehmend den Eindruck, dass es kaum ein historisch oder politisch bedeutendes Ereignis gibt, bei dem keine Verschwörung unterstellt wird, das nervt… um alle diese Fiesitäten und Ränkespiele kann ich mich nicht kümmern. Waren die Menschen auf dem Mond? Selbstverständlich waren sie vermutlich auf dem Mond, ich gehe davon aus. Wer hat Pearl Harbour angezettelt, wer den Zwischenfall im Golf von Tonkin? Haben sich Mundlos und Bönhardt tatsächlich selbst weggepustet, mit einer langen Pumpgun durch die Schläfe und dabei auch noch durch das Dach des Wohnmobils geschossen? Sie werden es wissen, das ist immerhin tröstlich. Ich aber gebe mich geschlagen, ich passe, weil ich mich nicht verrückt machen lassen will. Zu viele Verschwörungen überall relativieren die tatsächlichen, die ungeheuerlichen. 9/11 darf nicht einfach im Verschwörungssumpf untergehen – dazu war dieses Datum zu folgenreich für die Gegenwart und für die Zukunft. Es muss gelingen, die einmalige Sonderstellung dieses wahnsinnigen Verbrechens in der öffentlichen Wahrnehmung hervorzuheben.

Ich ahne, was in Madrid und in London geschah, ich habe eine, zugegebenermaßen nur ungefähre Vorstellung vom internationalen Staatsterrorismus, ich habe auch Osama bin Laden nie mausetot gesehen – doch über all dem schwebt der fürchterliche Drache von 9/11, der mit seinem Feuerspeien seit diesem Tag die Welt unterjochen will… oha, reichlich dramatisch formuliert, ist aber nun egal. Die feige Bande um Bush, Cheney, Rumsfeld, Rice & Co. muss jedenfalls gestellt werden, das hat Vorrang, und diese Vordringlichkeit sollten sich auch die, sagen wir 15 bis 20 deutschen „Frontkämpfer“ gegen die 9/11-Lüge bewusst machen. Stattdessen beschäftigen sich bemerkenswert viele von ihnen parallel dazu mit Engelserscheinungen, mit freier Energie, mit Kornkreisen, mit düsteren Prophezeiungen, mit außerirdischen Präsenzen unterm Sofa oder, die wird besonders gern genommen, mit der ewigen jüdischen Weltverschwörung – so disqualifiziert man sich in der eigenen Empörung über ein akutes Weltproblem, man setzt sich sogar der Lächerlichkeit aus und schadet einem außerordentlich wichtigen Anliegen.

Mir fällt auf, dass offenbar keine bekannte deutsche Organisation existiert, die sich ausschließlich der Aufklärung von 9/11 verschrieben hat… vielleicht weiß ich es auch bloß nicht. Wenn das aber zutreffen sollte, dann fehlt eine solche Gruppe, dann sollte man überlegen, ob es sinnvoll wäre, sie zu gründen. Nur nebenbei: Ich sicher nicht, ich wäre für soetwas ganz ungeeignet. Wie könnte die Gruppe aussehen? In welcher Form sollte sie sich organisieren? Wie müssten die Persönlichkeiten aussehen, die sie repräsentieren? Professoren und Wissenschaftler sind immer gut, denkt man spontan, denn sie genießen hohes Ansehen – allerdings käme es mehr darauf an, Persönlichkeiten zu finden, die unabhängig sind, die nicht gleich in eine Schublade gesteckt werden. Natürlich würde man die Gruppe prompt mit Antiamerikanismus konnotieren, deshalb wären keine Leute dafür prädestiniert, die dem linken Lager zugeordnet werden, die also in dieser Schublade landen. Ich will das hier jetzt aber nicht weiter ausspinnen… es ist überhaupt fraglich, ob sich mehrere geeignete Menschen für diese Aufgabe zur Verfügung stellen würden. So, Schluss, ich bin sowieso schon zu lang geworden.

Mit freundlichen Grüßen

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