Ich habe mich ausgedacht, meine Gedanken verweigern sich, sie wollen nicht krank werden an mir, sie fliehen aus meinen Höhlen, streben ans Licht, wo sie sich von den dunklen Farben reinwaschen und nach Außenwelt duften, wo sie auf den Wind warten, der sie zu Leichtigkeit aufhebt, der sie mit sich nimmt auf seine Reise durch alle Fernen, der Flüchtigste der Flüchtigen wird sie zu einem Rauschen verwehen, wird mit ihnen vorwärts stürmen durch Wonnen und Wahn, sie werden Festes ins Wanken bringen, die Luft vibrieren lassen, das Unglaubliche wahr werden lassen. Doch ich misstraue dem Wind, er ist unstet, mal ein Wilder, mal ein Zauderer, aber immer ein Zauberer, der aus dem Nichts auftaucht, der nirgendwo wohnt, ein Heimatloser, rastlos, ziellos, ich habe ihm meine Gedanken nicht freiwillig anvertraut – wenn sie einfach verschwinden, dann gehören sie nicht zu mir, dann hat sie irgendwann der Wind des Lebens geschickt, ohne zu fragen, ohne dass ich es bemerkt hätte. Mein Inneres ist eine Besatzungszone, fremde Gedanken haben sich in mir eingenistet, ich kann sie nicht mehr von meinen eigenen unterscheiden – sobald sie mich wieder verlassen, reißen sie Stücke mit aus meiner Bewehrung gegen den Abgrund in mir, sie vergreifen sich an den Resten meiner Substanz, sie zerspellen meine Hirnhaut, sie durchlöchern meinen Schutzmantel, den ich mir vor der Welt übergeworfen habe. Ich bleibe zurück, atemlos, gedankenlos, bar jeder Überlegung, ich muss mich mit Reflexen begnügen, mit öden Regungen, die wie Schwaden im Kopf lasten und die sich doch nicht zu Gedanken formen wollen. Das ist meine Existenz, das ist mein Dasein, mit dem letzten Aufgebot an Ich, mit Persönlichkeitsfetzen und Bewusstseinskrücken versuche ich bei mir zu bleiben… doch es fällt mir so unendlich schwer, ich fühle, dass etwas mich holen will, zu sich holen.

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