Ich will Schönes sehen, ich will Gefühle ausleben, die vergraben sind unter euren Haufen von Machen und Tun. Seht, was ihr getan habt, so vieles, Enttäuschungen füllen eure Vitrinen, enden in Pappkartons auf Flohmärkten, rumoren digitalisiert auf den Festplatten, vagabundieren im Gepinst eurer Vorsätze, verhallen in Hirnen. Die Zeit, das gnadenlose Agens, entsorgt sie auf Halden, formt Wanderdünen aus Weggeworfenem und Verzicht, verdichtet bis zur Unkenntlichkeit wälzen sie sich träge über Lebenswege bis zur Abbruchkante.

Ich will Schönes sehen, ich will ausblenden, die mich beschweren, mich endgültig abwenden von den Sojasachsen, von den Krisenkalkülen der Ökoschwaben, vom Bionadenplausch in den Reihenhausschlössern des sozialästhetischen Neuadels, von Pornobrillenträgern und Potenzpiefkes im Wellnessambiente, von den bulimischen Arschgeweihträgerinnen, von den Zahnweißstrahlerinnen im Workoutlook, von Champagnersüfflern à la mode, Geldschefflern, Kretins und Dekadenzbratzen – vom elephantiasisch wuchernden Schmock des Carpe diem im Fieber, dabei zu sein.

Ich will Schönes sehen, ich will meine Bedürfnisse von allem Extrinsischen befreien, nur genießen, ein stilles Lachen auf Gesichtern von Menschen in sich hinein, das mich mitnimmt, bis ich auch lachen muss, zusammen sitzen unter der Sonne, einfach essen, Brot und Früchte, klares Wasser und gewöhnlichen Wein trinken, reden, sich über Sensationen des Alltäglichen unterhalten, über die Dinge, die interessieren, sich vor Regen schützen, gemeinsam das Gewitter fürchten, sich der Natur ausgesetzt wissen, endlich nichts mehr verstehen wollen – wozu – nicht mehr besser oder schlechter sein müssen als andere, verletzlich bleiben dürfen, offen und gelassen, Geborgenheit fühlen, ein bisschen geliebt werden im unfassbaren Verlorensein.

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