Warten vor der Residenzverwaltung, Blick auf die Speisekarte: Montag Putengeschnetzeltes auf Curryreis, Obst nach Saison, Dienstag Obst nach Saison, Mittwoch… ich habe die Plastikhaube abgehoben und eine Mandarine entdeckt, ich glaube, sie hat sich vor mir erschreckt – eine verlorene schreckhafte Mandarine auf einer runden Plastikplatte, groß genug für eine Torte.

Die Residenz nimmt zwei Stockwerke in einem Neubau ein, der Residenzverwalter ist ein glatter Aal, er schwamm vom Sargasso-Meer bis in einen Schlickgraben vor der Stadt, aus dem er sich herausschlängelte, um ein Mensch zu werden. Sein Büro riecht nicht nach Tod, es riecht nach den Plastikpflanzen, die vor dem Fenster stehen und vom Blühen träumen. Nein, ich möchte nichts trinken, schon wieder, überall die giftgrünen Selterflaschen, für Babynahrung geeignet, auf den Fluren, in den Zimmern, unten im Foyer der Residenz stapeln sie sich kistenweise, alle Gäste der Residenz setzen ihr Gedärm unter kohlensaures Wasser, damit sie nicht austrocknen.

Die Formalitäten, der Aal lacht wie ein Aal eben lacht – Finanzstatus, Gesundheitsstatus, Familienstatus, Statusdenken einmal anders, Endstatusdenken. Vor mir Formulare, daneben ein Montblanc-Kugelschreiber. Ich kann alles unterschreiben für meinen Vater, ich frage ihn, warum die Alten hier so still sind, ich will vom Aal wissen, ob die Alten mit sehenden Augen tot sind. Er windet sich, er kriecht über seinen Kugelschreiber auf mich zu. Die Mandarine steckt noch in meiner Manteltasche, sie sollte es gemütlich haben. Ich nehme sie heraus, ich zerquetsche sie, der Saft tropft auf die Anträge, der Aal zuckt zurück, er schnellt an der Knopfleiste des weißen Oberhemds hoch auf den Hals zu, auf den offenen Mund zu, auf das schwarze Loch. Bevor ich gehe, nehme ich die Selterflasche und gieße die Blumen.

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