Im vorgestrigen Morgengrauen knatterten Hubschrauber über Bayersbonn, SEK-Beamte ließen sich an Seilen herab, kurz danach überflutete ein 27-köpfiges Team der Staatsanwaltschaft Reith im Winkl die Redaktionsräume der Pillen-Postille, um Beweismittel und verschreibungsfreie Bescheißmittel sicherzustellen. In ihrer neuesten Ausgabe hatte die Apotheken-Rundumschau mit dem Slogan „Gesünder sterben“ getitelt, worauf die CSU-Verordnete Mechthild von der Klamm im Plenum einen Tobsuchtsanfall bekam. Es war 18.31 Uhr, als Bundesabendspräsident Norbert B. Lämmert eilig von seinem Hochsitz kletterte und die entfesselte Bajuwarin beruhigend umarmte, allerdings erfolglos, denn sie trat ihm unter dem Ausruf „Preußischer Saubär!“ unvermittelt ins Gemächt. Als ein muskulöser Saaldiener einschreiten wollte, warf sich die eben noch dösende, doch plötzlich mit Stricknadeln bewaffnete Claudia Roth schützend vor ihre Geschlechtsgenossin und erklärte das Reichstagsgebäude ab sofort zum Frauenhaus.

Noch am selben Abend trat der älteste Bundesrat zu einer Krisensitzung zusammen, auf der mehrstimmig beschlossen wurde, dass der Status des Reichstagsgebäudes als geschlechtsneutraler Kuppelbau nicht angetastet werden dürfe. Die Einvernahme der beiden in den Eklat involvierten Damen scheiterte, weil Mechthild von der Klamm den Präsidenten bereits wegen sexistischer Nötigung angezeigt hatte und sich bei dem anschwebenden Verfahren nicht entäußern wollte. Claudia Roth reagierte immer gleich: „Ohne mein Alltours sag ich nichts.“ Um sie zu einer Aussage zu bewegen, bediente sich der älteste Bundesrat aus dem Reptilienfonds – daraus wird der Verordneten Roth eine Dienstreise nach Antalya finanziert, zum Zwecke der Völkerverständigung, eingeschlossen ein Zimmer mit seitlichem Meerblick und der Besuch einer Lederwarenfabrik in Anatolien. Außerdem verfasste der älteste Bundesrat einen Appell an den deutschen Presserat, die Apotheken-Rundumschau wegen ihres lebensfeindlichen Geschäftsgebarens abzumahnen – vor allem dürfe die Apotheken-Rundumschau nicht mehr für strychnin- und arsenhaltige Lutschtabletten werben, auch dann nicht, wenn in den Anzeigen der Verzehr erst ab einem Alter von 65 Jahren empfohlen wird.

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