– aufgeschrieben im Mai 2008

Knapp drei Jahrzehnte nach ihrem Entstehen wollen die privaten Medien ihre unerträglichen Konkurrenten schleifen. Parole: Auf Dauer knackt Geld alles, auch die öffentlich-rechtlichen Medien und unabhängigen Journalismus.

ARD und ZDF stehen scheinbar auf verlorenem Posten. Sie sind zu starr strukturiert, außerdem mutieren sie langsam zu Rentnersendern. Die meisten jungen Leute zappen den uncoolen Tatterfunk verächtlich weg. Auf sie wirken die Granufink-Medien zwar kompetent, aber in erster Linie verstaubt mit all den Jodl-Sessions, öden Beziehungsdramen, Talkrunden und Hintergrundberichten zur Regierungsbildung in Kirgisistan. Diese Art von Vielfalt geht zunehmend an der jüngeren Generation vorbei.

Unter anderem müsste die öffentlich-rechtliche Nachrichtenseuche überwunden werden. Das heißt nicht, den Leuten Nachrichten vorzuenthalten oder diese gar vorzuzensieren – es geht darum, dass in den zahlreichen öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiosendern nicht tausend Mal am Tag der immer gleiche Informationsmüll heruntergebetet wird, wie zum Beispiel ein Telefonat der Kanzlerin mit Sarkosy oder irgendein Streit in der Koalition. Das unaufhörliche Wiederkäuen täglicher Pseudo-News ist teuer und überflüssig. Dagegen hat die regionale Berichterstattung einen höheren Stellenwert, doch auch dort kann man den Aufwand mit Bedacht nach unten anpassen – denn das gemeinsame Musizieren der Landfrauen wird erst fernsehtauglich, wenn in der Gegend ansonsten nichts los ist.

Für das Bildungsbürgertum gibt es Phoenix, 3-SAT, Arte und sogar öffentlich-rechtliche Spezialkanäle. Allerdings meiden sehr viele Deutsche diese Angebote wie der Teufel das Weihwasser – diese Tatsache kann man nicht einfach verdrängen, auch nicht zugunsten einer Beschäftigungstherapie für ein Heer von Redakteuren. Denen sind ihre Jobs zu gönnen, aber ARD und ZDF sollten sich dringend fragen, ob sie es sich im warmen Kuschelbett garantierter Gebühreneinnahmen nicht zu bequem gemacht haben. Die hochmögenden Intendanten mit Sinn für das Staatstragende entstammen zumeist der Grauzone eines weitgehend anonymen Parteiengekungels – es ist zweifelhaft, ob solche Leute die öffentlich-rechtlichen Medien für alle Bevölkerungsschichten attraktiver machen können. Ohne es zu ahnen, könnten sie die Totengräber ihrer eigenen Institutionen werden.

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