Im Zug der Schaffner, Mütze, freundliche Augen. Nachlösen? Ja. Nach …? Gut, also in diese Stadt. Fensterplatz mit Landschaft, Bahnhöfe fliegen vorbei, von unten Weichenschläge, Tunnelschock, Lichtknall. In der liegengelassenen Zeitung Reiseangebote: zwei Tage Venedig mit Hotel und Frühstücksbufett – aber Venedig wird untergehen, zentimeterweise, oder eine Pauschalreise zum Taj Mahal, kundige Führung, Preis, oder im Bus an die Mosel, klimatisiert, mit Toilette an Bord.

Aussteigen, den Mann gegenüber vergessen, seine Halsfalten. Er hatte Erdnüsse, die nach gebratenem Speck rochen. Auf dem Klapptisch zählte er sie ab – bei fünf, manchmal bei sechs, warf er sie ein, kaute, fummelte an seinem Schlipsknoten.

Auf dem Bahnhofsvorplatz, wie für Menschen geschaffen, eine Abschiedsszene: Familie mit Kindern und Koffern verabschiedet Oma. Tränenrinnsale in den Runzeln, ihr Hut verrutscht, gleich wird er herunterfallen, akutes Balanceproblem, aber der Taxifahrer ist rechtzeitig zur Stelle. Überall Güte. Fassaden glänzen im Sonnenschein, liebevoll restauriert – auch Fassaden brauchen Liebe. Blick zur Bahnhofsuhr, in zwanzig Minuten fährt der Zug zurück.

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