Allein eine Frage der Konsequenz – dieser Kollege dachte, man könnte ihn ungestraft beleidigen. Er wechselte die Firma, er ließ Zeit ins Land gehen. Dann schlug er den Kerl tot. Spätabends wartete er hinter einer Ecke auf ihn, holte mit dem Baseball-Schläger aus, hörte die Schädeldecke knacken wie eine Kokosnuss, sah das Gehirn herausspritzen.

Mit diesem Schlag wurde er ein anderer Mensch. Eine Tür öffnete sich, die vorher verschlossen war, ein neuer Raum, er konnte sich wieder bewegen. Später begegnete er dem Penner, zusammen mit seiner Freundin, reiner Zufall. Er trat mit dem Fuß nach diesem Wrack. Als er ihre Augen sah, wusste er schon Bescheid. Doch ihr Blick faszinierte ihn: So schön hatte er sie vorher noch nie gesehen. Der nächste Tritt ging in den Bauch. Seine Freundin hatte ihn praktisch dazu aufgefordert. Danach lief sie einfach weg. Seitdem kommt sie nicht mehr, sie ruft auch nicht mehr an – Schwund ist immer.

Die Bullen kriegen ihn nicht. Aber dass sie ihn nicht einmal suchen, stört ihn, komisch. Gestern schubste er einen krassen Randale-Typen vor die S-Bahn, der einen Opa abziehen wollte. Der Alte war krank, trotzdem schrie er herum. Er nahm den Opa ins Visier, bis im letzten Moment sein Gerechtigkeitssinn siegte. S-Bahnen fahren schnell, man muss den richtigen Augenblick abpassen.

Es kam im Fernsehen, starker Bericht. Er hatte erwartet, dass man ihn schnell schnappen würde, weil so viele Leute auf dem Bahnsteig waren: Fehlanzeige, kein Mensch will etwas von ihm. Wenn er noch mutiger gewesen wäre, hätte er beide hoppgenommen. Er macht, was er will. Vorher hat er gar nichts gemacht.

Es klingelt. Bestimmt Polizei, wurde ja auch Zeit. Er reißt entschlossen die Tür auf. Nein, nur wieder die Nachbarin. Diese verdammte Nachbarin, die immer etwas vergessen hat: Zucker, Streichhölzer, Filtertüten, ihren Arsch. Sie steht verhuscht in der Tür, sie wird immer kleiner. Was will sie dieses Mal? Was, Fett? Sie will Fett, Fett für die Auflaufform. Er hat kein Fett – oder doch? Er hat keinen Baseball-Schläger zur Hand.

„Fett für die Auflaufform?“ Er guckt sie an. „Da muss ich erst nachsehen. Kommen Sie ruhig herein!“
„Ich weiß nicht…“ Die Nachbarin tritt unsicher auf der Stelle.
„Bitte, kommen Sie!“ Er führt sie ins Wohnzimmer. „Setzen Sie sich. Ich schaue inzwischen in der Küche nach.“
Er findet eine volle Flasche Speiseöl, schwer, aus Glas. Auf dem Weg zurück sieht er die Frau im Sessel sitzen, starrt für einen Moment auf ihren Hinterkopf mit dem schütteren Haar. Der Schädel glänzt. Speiseöl… dann kann er den Teppich vergessen. Er geht weiter und lässt sich in den Sessel gegenüber sacken.

„Ist das in Ordnung?“ Die Flasche steht zwischen ihnen auf dem Fußboden. Er lehnt sich im Sessel zurück und weint leise, er weint lauter, fängt plötzlich haltlos zu schluchzen an. Die Nachbarin ist aufsprungen. Sie beugt sich über ihn, mit weit aufgerissenen Augen.
„Du meine Güte! Was haben Sie denn? Soll ich uns einen Kaffee machen?“
Er nickt. „Und einen Schnaps“, krächzt er, „da im Schrank. Bleiben sie noch ein bisschen?“
„Natürlich. Ich bleibe hier, bis es Ihnen wieder besser geht. Ist alles halb so schlimm.“
Er hebt mühsam den Kopf: „Meinen Sie wirklich?“

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