Manche Kneipen bleiben immer Trinkhallen, nur mit niedrigeren Decken und höheren Preisen. Dann gibt es Kneipen, in die man eintauchen muss, mit Sauerstoffmangel zu später Stunde. Die Ansteckungsrate der Zigaretten steigt, die Dunstglocke senkt sich langsam auf die Köpfe der Gäste herab. Am Tresen lacht einer rauh die Blondine auf dem Bierdeckel an – er kennt sie gut, schon viele Abende lang hat sie ihm zähnefletschend zugeprostet und niemals ihr Lächeln verloren. Sein Nachbar stiert abwesend in das Zwielicht unter der Blechlampe, er wird zum Fruchtzwerg, dem eine fahle Sonne die mütterliche Bauchdecke erleuchtet.

F sagt, dass P tot sei, gestorben vor ein paar Tagen. Nein, schon vor zwei Wochen – genau weiß es keiner. M hat P kaum gekannt und findet das Thema blöd. Er versucht es mit Bemerkungen über das warme Bier zu torpedieren. Der Wirt springt nicht darauf an, er baut stattdessen eine Reihe Schnapsgläser auf, um aus Pietät eine Runde Kurzen für den Seelenfrieden von P auszugeben. Noch vor dem Anstoßen beharrt M darauf, dass das Bier zu warm sei und findet Unterstützung am Tresen – günstiger Zeitpunkt, um einen auszugeben, denn er besänftigt den Unmut, in den man sich gern hineinsteigert, wenn es irgendetwas auszusetzen gibt. Alle bis auf M, der gerade gegen einen Blackout ankämpft, prosten sich lustlos zu, doch schon nicht mehr wegen P, dessen Verwesung unablässig fortschreitet.

Trotzdem gelingt es P, noch ein letztes Mal in den Mittelpunkt des Interesses zu schweben, so dass ihm ein verspäteter Abgesang zuteil wird. E fängt an:
„Echt scheiße, wenn die falschen Leute zu früh sterben.“
Stimmt, und weil es jeder mit einem Anflug von Grauen auf die eigene Zukunft bezieht, werden wieder die Gläser gehoben. Mit einem Nachruf – nein, mit einem Nachschrei verjagt F die Melancholie, die sich zwischen die Rauchschwaden geschlichen hat:
„Er war sowieso – JAWOLL, SOWIESO!! – viel zu gut für diese Welt!“
Stille. G hebt irritiert den Kopf und pflückt eine Kippe aus seinen Haaren, die eben noch in den Aschenbecher hineinhingen. Immerhin rafft auch er sich noch zu einer Eloge auf – dem Anlass angemessen, leicht weinerlich:
„Ja, zu gut für die Welt, aber an zwei Krebsen gestorben, gleichzeitig – Lunge und Bauchspeicheldrüse.“
Damit verdient er sich ein Nicken in der Runde.

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